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23.06.2014

Anfrage an EU-Kommission 

Schadstoffe in Gebäuden

Obwohl europäische Bürger noch immer gehäuft an den Folgen von schadstoffbelasteten Innenräumen erkranken, gibt es noch immer keinen ausreichenden Schutz für Menschen. Lesen sie die vollständige Antwort von Tonio Borg im Namen der Kommission (23.06.2014, DE E-005384/2014) auf meine Anfrage.

Obwohl europäische Bürger noch immer gehäuft an den Folgen von – durch eine Vielzahl von Toxinen wie Mykotoxine, PCB, PCP, Formaldehyd, Fungizide, Organophosphate, Flammschutzmittel und weitere Pestizide aller Art – schadstoffbelasteten Innenräumen erkranken, gibt es noch immer keinen ausreichenden Schutz für Menschen, zumal bekannt ist, dass sich Menschen zu über 60 % in Innenräumen aufhalten (Arbeitsplatz, Wohnung, Schule, usw.).

1. Ist die Kommission der Ansicht, dass in Innenräumen zukünftig auf Schadstofffreiheit Wert gelegt werden sollte, und ist sie bereit, sich z. B. für ein Gebäude-Gesundheits-Zeugnis einzusetzen und damit eine präventiv ausgerichtete, nachhaltige und gesunde Bauweise zu fördern?

2. Welche gesetzliche Regelung plant die Kommission, um die Gesundheit von Gebäudenutzern sicher zu stellen?

3. Wann wird die Kommission eine entsprechende Innenraumluftrichtlinie vorlegen, damit es künftig z. B. auch für Teppichbeläge oder Isoliermaterialien Grenzwerte für den Gesundheitsschutz gibt?

4. Wie bewertet die Kommission diesbezüglich die Einführung eines gesetzlich verankerten Schadstoffnachweises für Gebäude und Wohnungen?

5. Welche Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten gibt es für Konstrukteure und Bauherren, die Schadstofffreiheit in Innenräumen umsetzen wollen?

Der Kommission ist bekannt, dass schlechte Luftqualität in Innenräumen, die durch verschiedene physikalische, chemische und biologische Schadstoffe verursacht wird, der menschlichen Gesundheit schaden kann. Laut Schätzungen des Projekts „Promoting actions for healthy indoor air“ (IAIAQ)1 im Rahmen des EU-Gesundheitsprogramms gehen ungefähr zwei Millionen Jahre „gesunden Lebens“ in Europa aufgrund schlechter Innenluftqualität verloren.

Was die Förderung des Baus gesundheitsschonender Gebäude angeht, so hat die Kommission mehrere Projekte (BUMA2, CLEAR-UP3, OFFICAIR4, SINPHONIE5, EPHECT6, HELTHVENT7, HITEA8) finanziert, deren Ziel die Bewertung von Strategien zur Verbesserung der Luftqualität in verschiedenen Umgebungen (Wohnung, Schule, Büro) war. Außerdem hat sie die Weltgesundheitsorganisation bei der Entwicklung von Gesundheitsrichtlinien für häufig vorkommende Innenraumschadstoffe unterstützt.

Zwar beabsichtigt die Kommission nicht die Einführung eines Gesundheitszertfizierungssystems, sie plant jedoch, einen Rahmen mit Kernindikatoren zur Bewertung der Umweltleistung von Gebäuden zu entwickeln; dabei ist das Behaglichkeitsniveau eines der Themen, die im weiteren Entwicklungsprozess genauerer Untersuchungen bedürfen. Zudem sind im Rahmen der Umweltzeichen-Verordnung für mehrere Produktgruppen Kriterien, die eine Verbesserung der Innenraumluftqualität zum Ziel haben, z. B. bei Textilien, Farben, Fußbodenbelägen und Möbeln.

Die harmonisierten Normen für Bauprodukte gemäß der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 tragen allen auf nationaler oder europäischer Ebene festgelegten Grenzwerten Rechnung. Nach Ansicht der Kommission ist ein Pflicht-Schadstoffnachweis für Gebäude Angelegenheit der Mitgliedstaaten. Es sind keine speziellen finanziellen Maßnahmen zur Förderung von Konstrukteuren und Bauherren vorgesehen.

1 http://ec.europa.eu/health/healthy_environments/docs/env_iaiaq.pdf

2 http://ec.europa.eu/eahc/projects/database.html?prjno=2005307

3 http://ec.europa.eu/research/innovation-union/ic2011/index_en.cfm?pg=project_details&project=clear_up

4 http://www.officair-project.eu/

5 http://www.sinphonie.eu/

6 https://sites.vito.be/sites/ephect/Pages/home.aspx

7 http://www.healthvent.byg.dtu.dk/

8 http://www.hitea.eu/