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18.03.2014

Anfrage an EU-Kommission 

Regulierungslücke: Radioaktivität in Wasserflaschen

Ist das Wasser, welches wir aus Flaschen trinken oder zur Zubereitung von Nahrung verwenden, frei von radioaktiver Strahlung bzw. strahlungsarm? Lesen sie die vollständige Antwort von Herrn Öttinger im Namen der Kommission (18.03.2014, DE E-000644/2014) auf meine Anfrage.

Uranbelastung im Mineralwasser ist ein geogenes Problem. Er wird bestimmt durch die Beschaffenheit der Gesteinsschichten, aus denen das Wasser gefördert wird. Einen Grenzwert für die zulässige Uranbelastung in Mineralwasser(flaschen) gibt es bisher nicht.

1.    Wie beurteilt die Kommission die Tatsache, dass es für Trinkwasser Grenzwerte für radioaktive Strahlung gibt, nicht jedoch für in Flaschen abgefülltes Wasser?

2.    Welche Maßnahmen plant die Kommission, um VerbraucherInnen zukünftig besser vor radioaktivem Mineralwasser zu schützen?

3.    Ist die Kommission der Meinung, dass unter anderem eine Veröffentlichung der fraglichen Aktivitätskonzentrationen auf dem Etikett bei in Flaschen abgefülltem Wasser Klarheit schaffen würde?

1. Wasser für den menschlichen Gebrauch, das in Flaschen abgefüllt und zum Verkauf bestimmt ist, ist – mit Ausnahme von natürlichen Mineralwässern – Gegenstand der Richtlinie 2013/51/EU des Rates[1]; somit gelten für dieses Wasser die Parameterwerte der Richtlinie. Die Bestimmungen dieser Richtlinie in Bezug auf radioaktive Stoffe gehen denen der Trinkwasser-Richtlinie[2] vor. Natürliche Mineralwässer sind vom Geltungsbereich der Richtlinie 2013/51/Euratom ausgenommen, da in der Richtlinie 2009/54/EG besondere Regeln hierfür festgelegt wurden.[3] In dieser Richtlinie werden geologische und hydrologische Untersuchungen vorgeschrieben, um die Radioaktivität des Wassers beim Quellaustritt und gegebenenfalls die Verhältniszahlen der Bestandteile des Wassers nach Isotopen (Sauerstoff und Wasserstoff) zu bestimmen. So soll sichergestellt werden, dass keine Gefahr der Verunreinigung besteht. Verunreinigtes natürliches Mineralwasser darf nicht als natürliches Mineralwasser gehandelt werden.[4]

2, 3. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat am 25. März 2009 eine Stellungnahme zum Thema „Uran in Lebensmitteln, insbesondere in Mineralwasser“[5] verabschiedet. Sie gelangte zu dem Schluss, dass bei der oralen Aufnahme von natürlichem Uran zwar radiotoxische Folgen möglich sind, das Hauptrisiko jedoch in der chemischen Toxizität besteht. Daher liegt der Schwerpunkt der Stellungnahme der EFSA auf der chemischen Toxizität von Uran bei der Ingestion von Wasser und Nahrungsmitteln, mit dem Fazit, dass die veranschlagte ernährungsbedingte Uranexposition der Bevölkerung generell sowie von Großverbrauchern in allen europäischen Ländern unterhalb der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI) von 0,6µg/kg Körpergewicht liegt.

Auf der Grundlage der vorstehenden Ausführungen und des geringen Risikos, das durch das Vorhandensein von natürlichem Uran in natürlichen Mineralwässern gegeben ist, hält es die Kommission nicht für erforderlich, harmonisierte Etikettierungsanforderungen für den Urangehalt von in Flaschen abgefülltem Wasser festzulegen.


[1] Richtlinie 2013/51/Euratom des Rates vom 22. Oktober 2013 zur Festlegung von Anforderungen an den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe in Wasser für den menschlichen Gebrauch (ABl. L 296 vom 7.11.2013). Die Richtlinie muss bis zum 28. November 2015 von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden.

[2] Richtlinie 98/83/EG des Rates vom 3. November 1998 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (ABl. L 330 vom 5.12.1998).

[3] Richtlinie 2009/54/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2009 über die Gewinnung von und den Handel mit natürlichen Mineralwässern (ABl. L 164 vom 26.6.2009).

[4] Die Überwachung beider Arten von Wasser erfolgt auf der Grundlage der Grundsätze der Gefahrenanalyse und der kritischen Kontrollpunkte (HACCP) gemäß der Verordnung 2004/852/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 über Lebensmittelhygiene (ABl. L 139 vom 30.4.2004) sowie unbeschadet der Grundsätze der amtlichen Kontrollen gemäß der Verordnung 2004/882/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 über amtliche Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung des Lebensmittel- und Futtermittelrechts sowie der Bestimmungen über Tiergesundheit und Tierschutz (ABl. L 165 vom 30.4.2004).

[5] Abrufbar über http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/1018.htm