Link zur Webseite greens-efa-org
to BEE or not to BE For a GMO-free Europe
28.03.2014

Anfrage an EU-Kommission 

Gerinnungshemmer Xarelto: In den USA verboten - in Euroa ohne Risiken

Im Januar 2014 hat sich ein Beratergremium der US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) mit 10:0 Stimmen gegen eine Zulassung des Gerinnungshemmers Xarelto ausgesrochen. Dagegen hat die Europäische Aufsichtsbehörde (EMA) Xarelto bereits im vergangenen Mai zur Behandlung von ACS zugelassen. Lesen sie die vollständige Antwort von Herrn Borg im Namen der Kommission (28.03.2014, DE E-001468/2014) auf meine Anfrage.

Die FDA hatte schon 2012 schwerwiegende Mängel in den von BAYER vorgelegten Studien festgestellt und bereits zweimal eine Zulassung verweigert.

1.    Aus welchem Grund wurde die Zulassung von Xarelto in EUROPA auf Basis einer einzigen Studie erteilt, während üblicherweise derartige Zulassungen auf mehreren, anerkannten Studien basieren?

2.    Wie bewertet die Kommission die von der FDA geäußerten zahlreichen Kritikpunkte an der von BAYER finanzierten Studie namens ATLAS ACS: Unvollständigkeit und mangelnde Qualität der Primärdaten; fehlende Bestätigung der Ergebnisse durch andere Studiendaten; divergente Effekte verschiedener Dosierungen auf Herzinfarktrate und Gesamtmortalität; zu geringes Signifikanzniveau?

3.    Wie bewertet die Kommission, dass Bayer die Studie u.a. in Indien durchgeführt hat, wobei es zu einer Reihe von Todesfällen kam und die Hinterbliebenen von Bayer mit Entschädigungen von gerade einmal 4 000 Euro abgespeist wurden?

4.    Wie bewertet die Kommission, dass für die Studie die Daten von drei indischen Zentren – mit ungünstigen Ergebnissen für Xarelto – ohne Begründung von der Analyse ausgeschlossen wurden?

5.    Welche Konsequenzen zieht die Kommission daraus?

6.    Kann die Kommission die Verordnung des Gerinnungshemmers Xarelto (Wirkstoff Rivaroxaban) bei akutem Koronarsyndrom (ACS) empfehlen, obwohl nach Auswertung der vorliegenden Studien das Präparat „allenfalls einen marginalen Nutzen“ hat, während sich jedoch gleichzeitig das Blutungsrisiko mehr als verdoppelt?

Die wissenschaftliche Beurteilung der in der EU zentralisierten Anträge auf Genehmigung für das Inverkehrbringen von Arzneimitteln wird vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur[1] vorgenommen.

Entsprechend den von der EU anerkannten internationalen Leitlinien[2] können die Ergebnisse einer einzigen Studie für eine Genehmigung ausreichen. Der betreffende Antrag bestand aus einer groß angelegten Studie[3], an der 15 526 Patienten in 766 Zentren in 44 Ländern teilgenommen hatten, und einer ergänzenden Studie. Der CHMP war von der Stichhaltigkeit der Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit überzeugt und schlussfolgerte, dass bei der Behandlung einer begrenzten Patientengruppe mit ACS ein positives Nutzen‑Risiko‑Verhältnis vorliegt.[4]

Der CHMP hat die Stärken und Schwächen der ATLAS-Studie gründlich geprüft und zusätzliche Analysen angefordert. Der CHMP hielt es für sehr unwahrscheinlich, dass fehlende Daten die Ergebnisse des primären Wirksamkeitsendpunktes in erheblichem Maße verändert hätten.

Die im Antrag enthaltenen klinischen Prüfungen müssen der guten klinischen Praxis und den ethischen Grundsätzen entsprechend der Richtlinie 2001/20/EG genügen. Die Kommission ist nicht in der Position, Aussagen über die Höhe der Entschädigung für Teilnehmer an klinischen Prüfungen in Indien zu treffen.

Die Daten der drei indischen Prüfstellen betrafen lediglich einen geringen Prozentsatz der gesamten Erhebungspopulation (1,2%). Der CHMP begutachtete die Daten zur Gesamtwirksamkeit einmal mit und einmal ohne die Daten der drei Prüfstellen. Er schlussfolgerte, dass sich der Ausschluss der drei Prüfstellen nur unwesentlich auf das Gesamtergebnis der Studie auswirkte.

Die Genehmigung der Kommission für das Inverkehrbringen beinhaltet die Verpflichtung für das Unternehmen, zusätzliche Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen und im Anschluss an die Genehmigung eine Studie durchzuführen[5].

[1] Verordnung (EG) Nr. 726/2004 zur Festlegung von Gemeinschaftsverfahren für die Genehmigung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln und zur Errichtung einer Europäischen Arzneimittel-Agentur (ABl. L 136 vom 30.4.2004 in der geänderten Fassung)

[2] ICH Topic E 9 Statistical Principles for Clinical Trials

[3] ATLAS ACS2-TIMI 51

[4] http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Assessment_Report_-_Variation/human/000944/WC500144718.pdf

[5] http://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2013/20130805126532/anx_126532_de.pdf