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10.02.2014

Anfrage an EU-Kommission 

Erkrankungen des Nervensystems als Folge von Vergiftungen

Verschiedene medizinische Studien deuten insbesondere bei neurologischen Krankheiten auf eine multifaktorielle Krankheitsentstehung mit Beteiligung von Umwelteinflüssen bzw. toxische Chemikalien als Auslöser hin. Ebenso gibt es gewichtige Argumente für die Beteiligung eines Umweltfaktors bei Kindern und Jugendlichen, der zur späteren Erkrankung führt. Ebenfalls kann die langanhaltende Exposition gegenüber giftigen Wirkstoffen im fortschreitenden Alter Ursache für Vergiftungserscheinungen und eine Schädigung der menschlichen Gesundheit sein.

Lesen sie die vollständige Antwort von Frau Geoghegan-Quinn im Namen der Kommission (10.2.2014, DE E-013721/2013) auf meine Anfrage.

1. Welche Forschungsergebnisse über die Auswirkungen von Giftstoffen auf die menschliche Gesundheit, insbesondere betreffend zerebrale Beeinträchtigungen bzw. Schädigungen des zentralen Nervensystems, sind der Kommission bekannt, wie sie z. B. bei Demenz, Alzheimer, Parkinson und Multipler Sklerose (MS) auftreten?

2. Welche Erkenntnisse liegen der Kommission über den Zusammenhang von besonders problematischen Stoffen wie POPs oder SVHC-Chemikalien und Erkrankungen des zentralen Nervensystems vor, und welche Erkenntnisse gibt es über Schädigungen der menschlichen Gesundheit durch Aluminiumverbindungen?

Zu Frage 1. und 2. Einschlägige Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu den möglichen Auswirkungen einer Exposition gegenüber Umweltschadstoffen wie z. B. langlebigen organischen Schadstoffen (POP) und besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC) auf das zentrale Nervensystem finden sich in öffentlichen Datenbanken wie PubMed sowie in Projektkatalogen(1). Die Kommission hat im Zuge ihrer Forschungsrahmenprogramme multizentrische Forschungs-Kooperationsprojekte wie EURO-MOTOR(2), BREATHE(3) und GEOPARKINSON(4) gefördert, die sich auf die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Umweltschadstoffe konzentrieren, auch hinsichtlich der Entwicklung des Nervensystems bei Kindern und neurodegenerativer Krankheiten bei Erwachsenen. Aluminium gilt — außer bei hoher Exposition — nicht als gesundheitsschädlich(5).

3. Welche Bestrebungen verfolgt die Kommission hinsichtlich der Ursachenforschung der häufigsten neurologischen Krankheiten, wie z. B. bei MS, die aktuell durch eine Zunahme bei jungen Erwachsenen von erheblicher sozialmedizinischer Bedeutung sind?

Die Kommission hat seit 2007 mehr als 800 Mio. EUR in die Forschung zu neurologischen und neurodegenerativen Krankheiten investiert. Im Laufe des 7. Forschungsrahmenprogramms wurden über 67 Mio. EUR für Forschungsprojekte im Bereich der neuroinflammatorischen Krankheiten wie Multipler Sklerose (MS) bereitgestellt.(6) Dazu zählten 20 internationale Forschungsprojekte zu MS(7).

4. Stellt die Kommission Forschungsgelder für die Aufdeckung der vergiftungsbezogenen Ursachen von Demenz zur Verfügung?

Im Zuge des neuen Rahmenprogramms für Forschung und Innovation (2014-2020) „Horizont 2020“(8) könnten insbesondere im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Herausforderung „Gesundheit, demografischer Wandel und Wohlergehen“ Forschungsvorhaben gefördert werden, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen einer Giftstoff-Exposition befassen.(9)

5. Welche Reduktionsziele umfasst die EU-Strategie bis 2018 für eine giftfreie Umgebung in Bezug auf potentiell für Erkrankungen des zentralen Nervensystems relevante Chemikalien, und wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Wie im Siebten Umweltaktionsprogramm dargelegt, arbeitet die Kommission derzeit an der Entwicklung einer Unionsstrategie für eine nichttoxische Umwelt(10), in der diese Fragen beantwortet werden sollen.

6. Welche Hindernisse gibt es bei der Notifizierung von Hochrisikostoffen, und welchen Handlungsbedarf sieht die Kommission hier?

Für die Stoffe gilt eine Registrierungspflicht gemäß der REACH-Verordnung(11) sowie — bei gefährlichen Stoffen — eine Meldepflicht gemäß der CLP-Verordnung(12). Der Kommission sind keine Hindernisse hinsichtlich der Meldung von „Hochrisikostoffen“ bekannt, da im Rahmen der REACH‐ und der CLP-Verordnung Mechanismen eingerichtet wurden, um die Stoffe zu überwachen und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen zu treffen.

(1) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed http://ec.europa.eu/research/environment/index_en.cfm?pg=health http://ec.europa.eu/research/health/medical-research/human-development-and-ageing/projects_en.html
(2) http://www.euromotorproject.eu Das Vorhaben konzentriert sich auf die Hauptfaktoren für eine Anfälligkeit für amytrophe Lateralsklerose (ALS) und das Fortschreiten der Krankheit, wobei auch die Chemikalien- und Pestizid-Exposition im beruflichen und privaten Umfeld berücksichtigt wird.
(3) http://www.creal.cat/programes-recerca/en_projectes-creal/111/programes-recerca/en_efectes-contaminants.html Den Schwerpunkt des Projekts bilden mögliche Auswirkungen von Luftschadstoffen auf das pränatale Wachstum und die geistige Entwicklung.
(4) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2078401 Das Projekt konzentriert sich auf das Risiko für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit im Zusammenhang mit einer Pestizid-Exposition.
(5) http://www.atsdr.cdc.gov/phs/phs.asp?id=1076&tid=34
(6) Siebtes Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007-2013, RP7).
(7) SYBILLA: Systems biology of T-cell activation in health and disease (Systembiologie der Aktivierung von T-Zellen im Hinblick auf Gesundheit und Krankheit) http://www.sybilla-t-cell.de
(8) http://ec.europa.eu/research/horizon2020/index_en.cfm
(9) Im Rahmen der derzeit laufenden Aufforderung zur Einreichung von Vorschlängen könnte eine Förderung hinsichtlich mehrerer relevanter Themen beantragt werden: z. B. PHC 1 — 2014: Understanding health, ageing and disease: determinants, risk factors and pathway (Gesundheit, Altern und Krankheit: Determinanten, Risikofaktoren und Entwicklungswege), oder HCO 7 — 2014: ERA-NET: Establishing synergies between the Joint Programming on Neurodegenerative Diseases Research and Horizon 2020 (Schaffung von Synergien zwischen der Gemeinsamen Programmplanung für die Forschung zu neurodegenerativen Krankheiten und Horizont 2020).
(10) http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:354:0171:0200:DE:PDF
(11) Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe.
(12) Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen.