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to BEE or not to BE For a GMO-free Europe
30.05.2007

Ein Interview 

Portrait von Hiltrud Breyer

Mit Hiltrud Breyer über ihre Arbeit als EU-Abgeordnete im Gespräch.

Frau Breyer, seit 1989 sind Sie für die Grünen im Europäischen Parlament aktiv. Was sind Ihre größten Erfolge?

Umwelt ist nach allen Umfragen das Thema, das die EuropäerInnen am meisten eint. Wir Grünen haben es geschafft, dem Umwelt- und VerbraucherInnenschutz in Europa ein grünes Gesicht zu geben. Mit diesen Themen waren wir so erfolgreich wie noch nie. Zentrale Erfolge, an denen ich stark mitgewirkt habe, sind u.a. das Verbot von krebserregenden Stoffen und von Tierversuchen bei Kosmetika, die Produzentenverantwortung für die Auto- und Elektroindustrie, das Verbot von krebserregendem Benzol in der Luft, schärfere Regeln zu Lärm oder die Begrenzung der radioaktiven Bestrahlung von Lebensmitteln. Es ist mir gelungen, dass jetzt in der gesamten EU Baby- und Kleinkindernahrung pestizidfrei sein muss. Das ist auch ein Riesenschritt zur Ökologisierung der Agrarpolitik. Diese muss weiterhin Kurs halten, hin zu mehr Qualität, Tier- und Naturschutz.

Mit der Kennzeichnung genmanipulierter Lebens- und Futtermittel vom Feld bis zum Teller ist uns ein Durchbruch für den VerbraucherInnenschutz gelungen. Diesen gilt es, gegen die starke Gentech-Lobby zu verteidigen. Ich möchte mich auch weiterhin engagieren gegen das Klonen, den Menschen nach Maß, genetische Diskriminierung des Menschen, transgene Tiere und den Versuch der EU-Kommission, ein Türöffner für ethisch umstrittene Forschung zu sein. Mein Anliegen ist, dass die Gesellschaft der Wissenschaft die unverrückbaren ethischen Grenzen setzt und nicht umgekehrt.

Mit der Gleichstellungsrichtlinie werden die Rechte der Frauen und Eltern am Arbeitsplatz deutlich gestärkt. Durch unseren Einsatz ist das Gender Mainstreaming in der künftigen EU-Verfassung verankert und Frauenpolitik bleibt eine Querschnittsaufgabe. Dank der massiven Unterstützung von Frauen haben wir erreicht, dass die Gleichstellung der Geschlechter nun ganz klar zu den Werten und Zielen der Union gehört. Denn nur wenn Frauen in guter "Verfassung" sind, sind sie für Europa zu begeistern. Auch die Anti-Diskriminierungs-Richtlinie zur Gleichstellung außerhalb des Erwerbslebens - Stichwort: Unisex-Tarife - sollte als Rückenwind für die Stärkung der Frauenrechte in Deutschland genutzt werden. Gender Budgeting und die Sichtbarkeit von Frauen bei der EU- und Welthandelspolitik gehören mit Dringlichkeit auf die EU-Agenda. Ich setze mich dafür ein, dass die EU Frauen- und Kinderhandel verstärkt bekämpft und sich für die Recht von Minderheiten stark macht.

 

Mit Ihrer Arbeit auf europäischer Ebene pendeln Sie nun zwischen dem saarländischen Mandelbachtal, Berlin, Brüssel und Straßburg hin und her. Dazu kommen Konferenzen, Besuche bei Ortsverbänden und Delegationen ins Ausland. Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit?

Grün wirkt auch in Europa! Ich möchte dafür sorgen, dass meine Herzensanliegen Umwelt- und VerbraucherInnenschutz, Gentechnik, Bioethik, Geschlechtergerechtigkeit und Tierschutz auch in einem erweiterten Europa das Markenzeichen der Grünen bleiben. Erreichtes darf nicht gekippt werden und ich will mit Elan dafür sorgen, dass im Umwelt- und VerbraucherInnenschutz keine Pause eingelegt wird. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, mich als Frau für Frauen stark zu machen.
Ich möchte unsere Erfolge weiter ausbauen und die gewachsenen Rechte für das Europäische Parlament nutzen. Es geht mir um politische Inhalte mit Substanz und Vision. Mit meinem Mandat im Europäischen Parlament stehe für Integration und Kontinuität. Ich bringe meine Verlässlichkeit, Kompetenz und Erfahrung in einer gestärkten grünen Fraktion ein. Auch durch Networking, sei es mit den Umwelt-NROs, TierschützerInnen, der Frauenlobby oder den Verbraucherverbänden, stärke ich unsere politische Schlagkraft.

 

Wie sieht Ihr politischer Alltag in Brüssel und Straßburg aus?

Jeder Tag ist anders, aber bestimmte Aufgaben kommen immer wieder. Ich berate mich mit meinen Fraktionsmitarbeitern, um die Ausschusssitzungen vorzubereiten, plane die nächsten Vorträge mit meinem Büro, gebe Interviews und schreibe Pressemitteilungen zu den Abstimmungen im Plenum. Wichtig sind mir Treffen mit der mir nahen Umwelt- und Frauenbewegung, Schülerinnen und Schülern zeige ich gerne das Parlament in Straßburg. Und natürlich verbringe ich viel Zeit damit für meine Positionen zu werben, die Abgeordneten der anderen Fraktionen für meine Anträge zu begeistern und konsequent für Umweltschutz, Frauenrechte und Tierschutz abzustimmen. Und abends geht es entweder in meine Brüssler Wohnung, ins Hotel beim Kreisverband oder ich mache mich auf Weg zu meiner Familie.

 

Sie haben zwei Kinder, was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie soviel "außer Haus" sind?

Würden Sie das auch einen Mann fragen? - Männer werden so etwas nie gefragt! Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich ist. Da in meinem Beruf kein Tag wie der andere aussieht, ist das vor allem eine Frage des Zeitmanagements und der guten Zusammenarbeit mit meinem Mann und meinen Kindern. Es gibt immer spannende Veranstaltungen, wichtige Diskussion und Arbeit genug - trotzdem haben die Verabredungen mit meiner Familie Priorität. Umgekehrt bin ich auch ganz für meine politische Arbeit da, wenn ich in Straßburg und Brüssel bin. Der Spagat ist nicht immer leicht, aber das ist er ja bei anderen Berufstätigen auch nicht. Ich bin stolz darauf, dass wir als Familie trotzdem alle eng sind - ein schönes Gefühl und die Basis für meine Energie in der Politik.


Das Gespräch führte Nadine Evers im Mai 2007.